In der Kategorie 'Abgestaubt & Ausgraben' habe ich heute für euch eines meiner liebsten Survival-Horror-Games aus meinem Regal gekramt. Bei uns ist es unter dem Namen
Projekt Zero im Jahr 2001 für die PS2 herausgekommen. Das Spiel ist aber auch unter dem Namen
Fatal Frame bekannt, unter dem es in den USA veröffentlicht wurde. Ich habe es vor einigen Jahren gebraucht um gerade einmal 5€ erstanden. Teilweise findet man es inzwischen auf Ebay ab 7€ (wobei die Preisgrenze nach oben offen ist). Warum sich das Zuschlagen auf jeden Fall für Fans des gepflegten Grusel-Horrors lohnt, werde ich euch in den nächsten Absätzen erklären.
Story & Gameplay
Die Geschichte von
Project Zero mutet sehr klischeehaft an und erinnert auf den ersten Blick an den typischen Plot eines jeden japanischen Horrorfilms. Ein Schriftsteller erfährt von einem geheimnisvollen, abgelegenen Haus, in welchem immer wieder Menschen verschwinden. Die Bewohner des Dorfes in der Nähe erzählen sich noch dazu von allerlei Geistererscheinungen. Also machen sich der Schriftsteller und sein Team auf den Weg um die Geheimnisse der Villa Himuro zu ergründen. Doch auch sie verschwinden spurlos. Mafuyu, ein junger Journalist, der mit dem 6. Sinn gesegnet ist und ein großer Fan des Schriftstellers, macht sich nach dessen Verschwinden auf die Suche nach ihm und landet so ebenfalls in der Villa Himuro. Mit Mafuyu erkundet der Spieler in einer Art Tutorial kurz die Villa. Doch als Mafuyu entdeckt was das Verschwinden der Menschen ausgelöst hat, ist es für ihn auch schon zu spät. Denn bevor er es richtig begreifen kann hat es ihn ebenfalls gefunden.
Monate vergehen und Mafuyu kehrt nicht mehr nach Hause zurück. Also macht sich seine Schwester Miku auf die Suche nach ihm. In der Villa Himuro findet sie eine Camera Obscura, mit der sie für Andere unsichtbare Geistererscheinungen sichtbar machen kann. Doch anstatt sich damit in Sicherheit zu befinden, wird das Grauen für Miku so nur greifbarer. Mit Miku beginnt für den Spieler die richtige Erkundung der Villa. Stück für Stück arbeitet sich Miku tiefer in die Villa vor und erfährt von der düsteren Vergangenheit des Hauses und seiner ehemaligen Bewohner. Dabei ist sie jedoch nicht alleine. Böse Geister, die jeden töten, der sich in das Haus verirrt, lauern hinter jeder Ecke auf Miku.
Was das Spiel so spannend und gruselig macht, ist die Tatsache, dass Miku, im Gegensatz zu den Protagonisten anderer Horror-Survival-Games, keine Waffen oder besondere Nahkampftechniken besitzt. Sie ist ein junges Mädchen, das sich mit all dem Horror konfrontiert sieht, der in den dunklen Räumen der Villa Himuro lauert. Ihre einzige Verteidigung ist die Camera Obscura mit der sie Geister sichtbar machen und sie bannen kann. Das klingt auf den ersten Blick einfacher als es ist. Denn die Geister bewegen sich schnell, können durch Wände und Türen schweben und stürzen sich auch gerne von der Decke auf Miku hinab. Mikus Camera Obscura hingegen richtet bei den Geistern nur wenig Schaden an und der Film, der zum Knipsen der Geister benötigt wird, ist extrem rar.
Man fühlt das gesamte Spiel über die Panik der Protagonistin in sich aufsteigen, zögert dabei in einen neuen Raum vorzudringen und hat gleichzeitig Angst davor zu lange in dem alten zu verweilen. Man entwickelt eine Art Verfolgungswahn und vermutet Geister in jedem Spiegel und in jedem Schrank. Dass man den Herzschlag von Miku über den Controller spürt, verstärkt die Verbindung zur Protagonistin noch mehr. Dadurch, dass das Spiel gekonnt subtilen Horror und kleinere (manchmal auch größere) Schreckmomente einsetzt wird es auch auf Dauer nicht langweilig.
Damit ihr euch in etwa vorstellen könnt was damit gemeint ist, habe ich für euch den ersten Trailer des Spieles herausgesucht, der so nur in Japan erschienen ist. Er zeigt Gameplay, Atmosphäre und auch einen Teil der Geschichte, ohne zu viel zu spoilern. Aber Achtung: Schreckhafte Personen sollten sich den Trailer lieber nicht ansehen!
Grafik & Sound
Wie man auch im Trailer sehen konnte ist die Grafik für 2001 ausgezeichnet. Die Animationen der Figuren sind flüssig und die Details in den einzelnen Räumen liebevoll gestaltet. Auch die Lichteffekte von Mikus Taschenlampe auf Gegenständen und Spiegeln überzeugen vollkommen. Allerdings findet man teilweise auch sehr flache, schwammige Texturen. Dies ist zum Beispiel der Fall in einem Raum, in dem zig Kimonos herumstehen. Hätte Miku nicht darauf hingewiesen, dass es sich dabei um Kimonos handelt, wäre ich von alleine nicht auf die Idee gekommen.
Was den Sound angeht, darf man bei
Project Zero keine orchestralen Meisterwerke erwarten. Auf vokale oder instrumentale Lieder wartet man vergebens. Das hat Project Zero aber auch gar nicht nötig. Die ohnehin drückende Atmosphäre wird mittels unheimlicher Geräusche perfekt untermalt. Die Schritte Mikus auf verschiedenen Untergründen, hier ein Knarren, dort ein unheimliches Kinderlachen - Dieser perfekt eingesetzte Minimalismus macht den Aufenthalt in der Villa Himuro um so Vieles unheimlicher, als ohnehin schon. Besser kann man es nicht machen.
Steuerung
Gruslig ist nicht nur das perfekte Zusammenspiel von Grafik, Sound und Story, sondern auch die Steuerung. Die Steuerung stellt mit Abstand den größten Kritikpunkt des Spiels dar. Das hat mehrere Gründe.
Zum einen hat der Spieler keine Möglichkeit die Kamera im Spiel zu bewegen. Die Kamera ist immer an bestimmten Punkten des Raumes fixiert und verändert sich ruckartig, je nachdem wo Miku gerade im Raum steht. Für die Atmosphäre ist dieser Punkt äußerst zuträglich, da dadurch das Gefühl des Beobachtetwerdens und der Hilflosigkeit steigt. Mein Herzschlag ist einige Male schneller geworden, als Miku langsam - fast schon in Zeitlupe - um Ecken gesehen hat und man keine Chance hatte schon zuvor zu erahnen, was sich dahinter versteckt. Für die Steuerung bedeutet dieser Umstand aber, dass sich mit jedem Kamerawechsel auch die relative Position von Miku zur Kamera ändert. Damit wird es beinahe unmöglich Miku fließend geradeaus rennen zu lassen. Besonders lästig ist dieses Problem, wenn man sich gegen Geister verteidigen muss. Viel zu oft versucht man etwas mehr Abstand zwischen sich und den Geist zu bringen, indem man ans andere Ende des Raumes läuft. Doch plötzlich ändert sich der Kamerawinkel und man findet sich dabei wieder wie man plötzlich in die entgegengesetzte Richtung und somit dem Geist direkt in die Arme läuft.
Das zweite Problem, das mir bei der Steuerung aufgefallen ist, ist die ungewöhnliche Logik zwischen der Steuerung der Figur und der einzigen Verteidigungsmöglichkeit Mikus, der Camera Obscura. Während des Spiels wird die Figur mit dem linken Analogstick bewegt, wie in jedem anderen Spiel auch. Wechselt man jedoch in den Camera Obscura Modus, so wird plötzlich die Camera Obscura mit dem linken Analogstick bewegt. Um den Attacken der Geister überhaupt ausweichen zu können, kann man die Spielfigur auch im Camera Obscura Modus weiter steuern. Allerdings geschieht dies auf einmal mit dem rechten Analogstick. Diese Eigenheit widersetzt sich jeder Logik, die ein Spieler über Jahre angesammelt hat. In jedem anderen Spiel wird in der Egoperspektive mit dem rechten Analogstick die Kamera bewegt und mit dem linken immer die Spielfigur. Die Verwirrung durch das Hin- und Herwechseln und die damit verbundenen unfreiwilligen Schritte oder Kameraschwenks (die oftmals über Leben und Tod entscheiden), wird auch im Laufe des Spiels nicht weniger. Zwar bietet das Spiel insgesamt 8 verschiedene Tastenbelegungen, die genannten Probleme können jedoch damit nicht gelöst werden.
Schwierigkeitsgrad & Langzeitmotivation
Den Schwierigkeitsgrad des Spiels würde ich auf jeden Fall als hoch einschätzen. Die Geister bewegen sich schneller als Miku und lassen sich in der PS2-Version auch kaum abschütteln. Einerseits verfolgen sie einen durch mehrere Räume, andererseits benötigt Miku extrem viel Zeit um Türen zu öffnen. Bis man eine Türe geöffnet hat und im nächsten Raum steht hat einen der Geist also schon längst erwischt. Es bleibt einem also nichts Anderes über, als jeden Geist zu bekämpfen. Doch auch das ist leichter gesagt als getan. Um Geister effizient besiegen zu können ist perfektes Timing von Nöten. Bei einigen Geistern hat man oft nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, um genau den Moment zu erwischen, in dem man den größten Schaden anrichten kann. Die Camera Obscura benötigt außerdem Zeit ihre Kraft aufzuladen. Dies tut sie aber nur solange man den Geist exakt im Suchfeld der Camera Obscura hat. Wird der Geist unsichtbar, verschwindet hinter Gegenständen oder bewegt sich schnell hin und her, so fällt die Macht der Camera Obscura schnell wieder auf Null zurück.
Natürlich kann man den Geistern auch schaden, wenn man mit wenig Power Fotos von ihnen schießt, aber dieses Vorgehen wird dem Spieler spätestens in der dritten Nacht des Spieles zum Verhängnis. Denn die Filme sind Mangelware. Wer nicht von Beginn an sparsam damit umgeht und nur die nötigsten Fotos macht, steht früher oder später ohne Film und somit ohne Verteidigungsmöglichkeit da. Wenn es so weit gekommen ist, hilft nur noch eines: Ganz von Vorne beginnen. Ebenso verhält es sich mit Heilmitteln. Wer meint, dass bereits ein Geist eine unüberwindbare Herausforderung darstellt, der kann sich auf die zweite Hälfte des Spieles freuen. Dort treten die Geister dann nämlich gerne auch zu zweit oder zu mehrt auf.
Hat man das Spiel einmal durch, so wird ein zweiter Schwierigkeitsgrad inklusive neuem Ende freigeschalten. In den Nightmare-Schwierigkeitsgrad kann man auch seine bisher gesammelten Filme und Heilmittel mitnehmen. Bis man diesen in Angriff nimmt, sollte man das Spiel aber ein paar Mal durchspielen und sich richtig aufpowern. Außerdem können neue Kostüme für Miku und ein Battlemodus freigeschalten werden, in dem man sich verschiedenen Aufgaben in der Villa Himuro stellen muss. Der Langzeitmotivation ist also relativ hoch, auch wenn das neue Ende nicht wirklich überzeugen kann und man sich fragt, ob es denn die Mühe überhaupt wert war.
Fazit
Insgesamt zeichnet sich Project Zero durch eine sehr dichte und gruslige Atmosphäre aus. Soundgestaltung und Grafik passen perfekt zur Story und führen gekonnt zu Gänsehautstimmung. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch. Somit stellt das Spiel auf jeden Fall eine ziemliche Herausforderung dar. Wer sich aber über den hohen Schwierigkeitsgrad hinaus traut, den erwartet eines der besten Survival-Horror-Games aller Zeiten.
